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Was ist Mobbing? Wenn aus "Streit" ein systematischer Angriff wird

  • 2. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Tagen

Viele Erwachsene sagen schnell: „Kinder streiten halt.“


Ja. Kinder streiten. Und streiten ist wichtig. Damit lernen Kinder soziale Skills. 


Aber ein Streit ist nicht dasselbe wie Mobbing.


Ein Streit passiert auf Augenhöhe. Beide Kinder können sich wehren. Und meistens ist er irgendwann wieder vorbei.


Mobbing funktioniert anders.


Beim Mobbing wird ein Kind über längere Zeit gezielt angegriffen, ausgegrenzt oder erniedrigt. Es wird zum Ziel einer Dynamik, aus der es allein kaum noch herauskommt.


Und genau hier beginnt das Problem. Denn irgendwann fühlt sich dieses Kind nicht mehr nur verletzt, sondern machtlos.

 

Die Definition von Mobbing bei Kindern


Damit Verhalten tatsächlich als Mobbing bei Kindern eingestuft wird, müssen in der Regel drei Kernkriterien gleichzeitig erfüllt sein.


1. Wiederholung und Dauer


Die Angriffe passieren nicht einmal. Sie passieren wiederholt, über Tage, Wochen oder sogar Monate.


Typische Mobbing-Handlungen können sein:

  • Beleidigungen

  • Auslachen oder Demütigen

  • Gerüchte verbreiten

  • ständiges Ignorieren oder Ausgrenzen

  • Drohungen

  • körperliche Angriffe


Ein einmaliger Konflikt gilt noch nicht als Mobbing. Erst wenn sich die Angriffe regelmässig wiederholen, entsteht die gefährliche Dynamik.

 

2. Machtungleichgewicht


Beim Mobbing herrscht kein Gleichgewicht. Das betroffene Kind steht meist allein da.


Die anderen sind stärker – körperlich, sozial oder emotional. Vielleicht sind sie älter oder sie treten als Gruppe auf.


Das betroffene Kind kann die Situation nicht mehr aus eigener Kraft stoppen.


Für das betroffene Kind ist genau das eine überaus grosse Belastung.

 

3. Systematik und Zielgerichtetheit


Mobbing passiert selten zufällig. Die Angriffe sind oft systematisch. Ein Kind wird bewusst zur Zielscheibe gemacht. Es wird immer wieder verspottet, ausgeschlossen, gedemütigt oder sogar geschlagen.


Die Absicht dahinter ist klar: Das Kind soll klein gemacht werden.


Und irgendwann beginnt es das zu glauben.

 


Mobbing ist ein Gruppenphänomen


Viele Menschen denken bei Mobbing in der Schule an einen Täter und ein Opfer. Doch so einfach ist es nicht.


Organisationen, die sich für Kinderrechte einsetzen, weisen darauf hin, dass Mobbing fast immer ein Gruppenprozess ist.


Neben den Hauptakteuren gibt es oft weitere Rollen:

  • Kinder, die aktiv mitmachen

  • Kinder, die anfeuern

  • Kinder, die zuschauen und nichts sagen

  • Kinder, die eigentlich helfen möchten – sich aber nicht trauen


Das bedeutet: Mobbing entsteht in einer sozialen Dynamik.


Und genau deshalb braucht es auch eine Veränderung im gesamten Umfeld, um diese Dynamik zu durchbrechen.


 

Cybermobbing: Wenn Mobbing online weitergeht


Heute endet Mobbing leider oft nicht mehr nach der Schule. Mit Smartphones und sozialen Netzwerken hat sich eine neue Form entwickelt: Cybermobbing.


Beim Cybermobbing erfolgen Angriffe zum Beispiel über:


  • WhatsApp

  • Instagram

  • TikTok

  • Online-Gruppen oder Chats

 

Der Unterschied zu klassischem Mobbing ist gravierend:


  • Inhalte können sich extrem schnell verbreiten

  • Angriffe können anonym erfolgen

  • das betroffene Kind kann ihnen kaum entkommen


Das Zuhause, das früher ein Schutzraum war, ist plötzlich kein sicherer Ort mehr.

 


Rechtliche Situation



Der Begriff Mobbing selbst ist weder im schweizer, im deutschen noch im österreichischen Recht ein eigener Straftatbestand (Stand 2026).


Das bedeutet jedoch nicht, dass die Handlungen folgenlos bleiben.


Viele einzelne Handlungen im Rahmen von Mobbing können strafrechtlich relevant sein, zum Beispiel:


  • Beleidigung

  • Drohung

  • Nötigung

  • Körperverletzung


Auch wenn „Mobbing“ selbst kein eigener Straftatbestand ist, können solche Handlungen rechtliche Konsequenzen haben.


In der Schweiz können strafbare Handlungen bereits ab dem 10. Lebensjahr verfolgt werden. In Deutschland und Österreich liegt die Strafmündigkeit bei 14 Jahren.

 


Warum Mobbing so gefährlich ist


Mobbing muss ernst genommen werden. Es ist ein Angriff auf das Selbstbild eines Menschen.


Kinder, die über längere Zeit gemobbt werden, beginnen oft zu glauben, was ihnen täglich gesagt wird:


„Mit mir stimmt etwas nicht.“

„Ich gehöre nicht dazu.“

„Ich bin falsch.“

„Niemand mag mich.“


Viele dieser Kinder entwickeln:


  • starke Selbstzweifel

  • Angst vor der Schule

  • Rückzug und Einsamkeit

  • massiven Verlust von Selbstvertrauen


Manche verlieren sogar ihren Lebensmut.


Die Studie „Cyberlife IV – Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern“ (2022), herausgegeben vom Bündnis gegen Cybermobbing und der Techniker Krankenkasse, ergab, dass rund 24 Prozent der betroffenen Schülerinnen und Schüler Suizidgedanken aufgrund von Mobbing hatten.


Die Erhebung unter über 3.000 Schülern zeigte zudem einen deutlichen Anstieg der Opferzahlen von Cybermobbing.


Das ist die Realität von Mobbing.


Und genau deshalb dürfen wir nicht zulassen, dass es kleingeredet wird.


Unsere Erfahrungen im Antimobbing-Coaching zeigt, dass Kinder und Jugendliche nicht monatelang schutzlos Mobbing ausgesetzt werden dürfen.


Bei Verdacht sollte sofort gehandelt werden.


Be Nice steht ohne Wartefrist mit einem Beratungsgespräch in Form unserer Leuchtturmberatung zur Verfügung.  



Gemeinsam werden wir nach massgeschneiderten Lösungsansätzen suchen, die sofort in die Tat umgesetzt werden können.


Falls ein Schulgespräch mit der Schulleitung und einer Lehrperson ansteht unterstützen wir auch gerne dabei. Eltern und Betreuungspersonen werden mit vielen Inputs und gut vorbereitet das Gespräch mit der Schule führen. Sie wissen, worauf sie achten sollten und wie man die Schule motiviert zu handeln, ohne die Fronten zu verhärten.


Hier geht es zur Beratung für das Schulgespräch

⤵️

 

 

Warum Kinder oft lange nichts sagen


Viele Kinder erzählen lange niemandem, dass sie gemobbt werden. Nicht, weil sie nicht leiden. Sondern, weil sie sich schämen.


Oder weil sie denken, sie hätten selbst etwas falsch gemacht.


Manche haben auch erlebt, dass Erwachsene ihnen Ratschläge erteilen, die nicht funktionierten:

„Ignoriere es einfach.“

„Sag stopp.“

„Das wird schon wieder aufhören.“

„Stell dich nicht so an.“


Damit hört Mobbing in den aller seltensten Fällen auf. Im Gegenteil.


Ohne Unterstützung oder mit falschen Verhaltensweisen wird die Dynamik meistens stärker.

 


Was Kinder wirklich brauchen


Kinder, die Mobbing erleben, brauchen nicht nur Trost. Sie brauchen Stärkung.


Sie brauchen Erwachsene, die sagen: „Du bist unschuldig. Ich bin für dich da. Und wir finden zusammen einen Weg da raus.“


Das bedeutet:

  • zuhören

  • ernst nehmen

  • Selbstvertrauen aufbauen

  • neue Strategien lernen

  • innere Stärke entwickeln


Denn wenn ein Kind wieder innere Sicherheit und Selbstbewusstsein aufbaut, verändert sich die gesamte Dynamik.


Wir raten dringend, sich professionell beraten zu lassen bevor dem Kind oder Jugendlichen irgendwelche Ratschläge erteilt werden, die Mobbing in der Regel verschlimmern.

 


Eine klare Haltung gegen Mobbing


Wir glauben nicht nur daran, wir haben hundertfach erlebt, dass Kinder unglaubliche Stärke entwickeln können, wenn ihnen jemand zeigt, wie viel Kraft bereits in ihnen steckt und welche einfachen Tools ihnen helfen, aus der Dynamik des Mobbings auszusteigen.

 


Ist mein Kind von Mobbing betroffen?


Vielleicht liest du diesen Artikel, weil du dich gerade fragst, ob das, was mein Kind erlebt, schon Mobbing ist.


Oder weil du spürst, dass etwas nicht stimmt. Vertrau diesem Gefühl. Denn Eltern spüren oft als Erste, wenn ihr Kind leidet.


Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie Kinder aus der Mobbingrolle herausfinden können, findest du hier weitere Artikel und Unterstützung.


Denn jedes Kind verdient es, mit Stärke, Würde und Selbstvertrauen durchs Leben zu gehen.


Deine Coaches



 

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