Mobbing bei Mädchen und Jungs erkennen: Warum die Unterschiede so wichtig sind
- 5. Juni
- 4 Min. Lesezeit

Mobbing bei Mädchen und Jungs sieht oft völlig unterschiedlich aus.
Wenn Eltern an Mobbing denken, haben viele sofort Bilder von Schubsen, Beleidigungen oder körperlichen Angriffen im Kopf.
Doch genau hier beginnt oft das Problem.
Denn Mobbing zeigt sich bei Mädchen und Jungen häufig auf unterschiedliche Weise. Wer diese Unterschiede nicht kennt, übersieht Warnsignale oder stuft sie falsch ein.
In unserer täglichen Arbeit erleben wir immer wieder, dass Eltern erst dann Hilfe suchen, wenn die Situation bereits eskaliert ist. Nicht, weil sie nicht hinschauen, sondern weil Mobbing manchmal sehr offensichtlich und manchmal fast unsichtbar ist.
Mobbing bei Mädchen verläuft oft leise, emotional und hinterrücks

Bei Mädchen verläuft Mobbing häufig defensiv, leise, emotional und hinterrücks.
Statt offener Angriffe stehen oft nonverbale und psychische Verletzungen im Vordergrund.
Die Strategien wirken auf den ersten Blick harmlos, entfalten aber eine enorme Wirkung.
Ausschluss.
Ignorieren.
Manipulation.
Dazu kommen Lästereien, Tuscheleien, Andeutungen, Gerüchte und gezielte Rufschädigung.
Solche Sätze sind dabei keine Seltenheit:
„Ich rede nicht mehr mit dir und die anderen auch nicht.“
Das Ziel hinter Mobbing bei Mädchen
Wer glaubt, es handle sich dabei lediglich um Streitigkeiten unter Mädchen, unterschätzt die Dynamik dahinter.
Das Ziel ist häufig soziale Kontrolle.
Das betroffene Kind soll isoliert werden. Es soll seinen Platz in der Gruppe verlieren. Es soll ausgeschlossen werden.
Die Strategien sind dabei oft sehr subtil:
Ausschliessen aus der Gruppe.
Lästern.
Tuscheln.
Sich demonstrativ wegdrehen.
Plätze blockieren.
Den Stuhl abwischen, wenn das betroffene Kind vorher dort gesessen hat.
Freundschaften beschädigen.
Gerade weil vieles davon von aussen kaum sichtbar ist, bleibt das Leid oft lange verborgen.
Die Gefahr: Mobbing bei Mädchen wird häufig zu spät erkannt

Mobbing bei Mädchen ist oft viel schwerer erkennbar und wird deshalb häufiger übersehen.
Nicht selten wird es als „Mädchensache“ abgetan.
Für Kinder ist nonverbales Mobbing oft unglaublich schwer zu greifen. Vor allem jüngere Kinder können häufig nicht erklären, was genau passiert.
Sie spüren nur, dass etwas nicht stimmt.
Sie merken, dass sie ausgeschlossen werden.
Sie fühlen sich allein.
Doch sie finden oft keine Worte dafür.
Genau deshalb kommen viele Eltern von Mädchen vergleichsweise spät zu uns ins Antimobbingcoaching.
Lange herrscht Unsicherheit:
Ist das jetzt Mobbing?
Wie schlimm ist es wirklich?
Braucht es überhaupt Unterstützung?
Während diese Fragen noch im Raum stehen, verschlechtert sich die Situation oft weiter.
Die Mädchen befinden sich deshalb häufig bereits in psychisch sehr belastenden Zuständen, wenn sie bei uns ankommen.
Es wurde zu lange gehofft.
Zu lange gewartet.
Und das Kind zerbricht währenddessen.
Mobbing bei Jungs verläuft häufig laut, direkt und körperlich

Bei Jungs zeigt sich Mobbing oft ganz anders.
Es verläuft offensiv, laut, direkt und körperlich.
Verbale und physische Angriffe stehen deutlich häufiger im Vordergrund.
Schubsen.
Schlagen.
Necken.
Einschüchtern.
Beleidigungen.
Oft passiert Mobbing im direkten Duell.
Hinzu kommen Machtdemonstrationen sowie offene Ablehnung und Angriffe.
Solche Sätze zeigen sehr deutlich, was gemeint ist:
„Du bist ein Loser! Hau ab!“
Das Ziel hinter Mobbing bei Jungs
Auch bei Jungs steckt hinter dem Verhalten ein klares Ziel.
Es geht darum, Dominanz zu zeigen.
Rangordnungen zu klären.
Und Angst zu verbreiten.
Wichtig dabei:
Zu physischem Mobbing gehören alle Berührungen, die vom betroffenen Kind unerwünscht sind.
Die Gefahr: Mobbing bei Jungen wird oft verharmlost

Der grosse Unterschied besteht darin, dass Mobbing bei Jungen häufig schneller erkannt wird.
Das Verhalten ist offensiv.
Es ist sichtbar.
Und man merkt meist rasch, dass ein Problem besteht.
Genau darin liegt jedoch eine andere Gefahr.
Mobbing bei Jungs wird viel zu oft verharmlost.
Eltern hören dann Sätze wie:
„Die spielen doch nur.“
„Das war doch nur Spass.“
„Die wollen sich nur messen.“
„So sind Jungs eben.“
„Die klären das schon unter sich.“
Unsere Erfahrung zeigt jedoch etwas anderes.
Eltern von Jungen suchen häufig früher Hilfe, weil das Ausmass schneller sichtbar wird und schneller klar ist, dass es sich tatsächlich um Mobbing handelt.
Emotionale Gewalt ist nicht weniger schlimm als körperliche Gewalt
Nur weil Mädchen häufig „leiser“ mobben, bedeutet das nicht, dass die Folgen weniger schwerwiegend sind.
Emotionale Gewalt kann genauso tief verletzen.
Zusätzlich ist sie oft deutlich schwieriger zu erkennen.
Deshalb ist es wichtig, Mobbing klar von gewöhnlichen Hänseleien zu unterscheiden.
Mobbing hat eine klare Definition.
Und auch wenn Hänseleien nicht automatisch Mobbing sind, können sie sich zu Mobbing entwickeln, wenn niemand einschreitet.
Jedes Kind braucht Schutz – aber nicht jedes Kind braucht dieselbe Unterstützung
Ein wichtiger Fehler besteht darin, Mobbing-Fälle miteinander zu vergleichen.
Kein Mobbing ist wie das andere.
Kein Kind ist wie das andere.
Keine Situation ist wie die andere.
Deshalb braucht jedes betroffene Kind eine individuelle Einschätzung und eine individuelle Begleitung.
Beide brauchen Schutz. Aber auf unterschiedliche Weise.
Hilfe bei Mobbing: Früh hinschauen statt abwarten
Wenn du unsicher bist, ob dein Kind bereits von Mobbing betroffen ist, lohnt es sich, die Situation frühzeitig professionell einschätzen zu lassen.
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