Grenzen setzen – ohne schlechtes Gewissen
- vor 14 Stunden
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Es gab eine Zeit in meinem Leben, da war ich überzeugt, dass Helfen einfach dazugehört.

Wenn jemand ein Problem hatte, habe ich zugehört.
Wenn jemand nicht weiterwusste, habe ich nach einer Lösung gesucht.
Wenn jemand traurig war, wollte ich ihn wieder zum Lächeln bringen.
Und wenn jemand Hilfe brauchte, dann war für mich völlig klar: Ich bin da.
Ich glaube, viele Frauen kennen dieses Gefühl.
Es fühlt sich nicht wie eine Entscheidung an. Es fühlt sich selbstverständlich an.
Schliesslich wollen wir gute Mütter sein. Gute Partnerinnen. Gute Schwiegertöchter. Gute Freundinnen. Gute Kolleginnen.
Wir möchten füreinander da sein. Und das ist grundsätzlich etwas Wunderschönes und Wertvolles.
Das Problem beginnt nicht dort, wo wir helfen. Es beginnt dort, wo wir aufhören zu merken, was uns dieses Helfen eigentlich kostet.
Als ich noch selbst gecoacht habe, war ich praktisch rund um die Uhr für unsere Familien erreichbar.
Irgendjemand brauchte immer etwas. Irgendwo brannte immer ein Feuer. Und weil ich wusste, wie schlimm sich Hilflosigkeit anfühlt, wollte ich dieses Gefühl niemandem zumuten.
Heute weiss ich, dass genau darin eine Gefahr liegt.
Ich muss nicht jede Herausforderung lösen und jede Unsicherheit auffangen.
Und ich darf auch nicht jedem anderen Menschen seine Erfahrung wegnehmen.
Bis heute frage ich mich deshalb immer wieder:
Braucht es mich hier wirklich? Oder nehme ich diesem Menschen gerade eine Erfahrung weg, an der er wachsen könnte?
Diese Frage ist nicht immer einfach. Für mich ist sie immer noch eine Gratwanderung.
Denn natürlich bin ich noch immer gerne für Menschen da. Das gehört zu mir.
Aber ich habe gelernt, dass Helfen und Grenzen setzen keine Gegensätze sind. Im Gegenteil.
Manchmal ist eine klare Grenze sogar die grösste Hilfe, die wir einem Menschen geben können.
Wenn du dich selbst immer zuletzt einplanst, lernen deine Kinder genau das
Irgendwann habe ich etwas erkannt, das mich ziemlich nachdenklich gemacht hat.
Jedes Mal, wenn ich meine eigenen Bedürfnisse hinten angestellt habe, habe ich meinem Umfeld eine Botschaft gesendet.
Aber noch viel wichtiger: Ich habe sie mir selbst gesendet.
Ich bin gerade nicht wichtig.
Die anderen kommen zuerst.
Für mich bleibt später noch Zeit.
Nur kommt dieses "später" erstaunlich selten.
Stattdessen wird aus Tagen eine Woche. Aus Wochen werden Monate. Und irgendwann fragst du dich, warum du ständig müde bist, warum dir alles zu viel wird oder weshalb du das Gefühl hast, nur noch zu funktionieren.
Viele Mütter glauben, sie müssten sich aufopfern, um gute Mütter zu sein.
Ich glaube das nicht mehr.
Denn niemand profitiert von einer Mama, die nur noch auf dem Zahnfleisch läuft.
Inzwischen wissen wir alle, Kinder lernen nicht von dem was wir ihnen erzählen, sondern sie kopieren was wir vorleben.
Wenn du ihnen sagst, sie sollen gut auf sich achten, dich selbst aber ständig vergessen, lernen sie etwas völlig anderes.
Wenn du ihnen sagst, dass sie Nein sagen dürfen, selbst aber aus schlechtem Gewissen immer wieder Ja sagst, wird genau das ihre Normalität.
Gesunder Egoismus ist nichts Schlechtes

Ich weiss, was jetzt viele Mütter denken.
"Aber meine Kinder müssen doch an erster Stelle stehen."
Diesen Satz höre ich unglaublich oft.
Und ja, selbstverständlich tragen wir Verantwortung für unsere Kinder.
Sie brauchen unsere Liebe, unsere Zeit und unsere Begleitung. Aber sie brauchen keine Mutter, die sich selbst dabei verliert.
Viele Frauen haben Angst, egoistisch zu sein.
Dabei wird Egoismus oft mit Egozentrik verwechselt.
Egozentrische Menschen denken nur an sich selbst. Ihnen sind die Bedürfnisse anderer ziemlich egal.
Egoismus bedeutet etwas völlig anderes.
Er bedeutet, dass deine Bedürfnisse genauso wichtig sind wie die der Menschen, die du liebst. Nicht wichtiger. Aber eben auch nicht weniger wichtig.
Genau hier kippt Fürsorge in Selbstaufgabe.
Wenn du dich ständig für andere aufopferst, zeigst du deinen Kindern unbewusst, dass deine eigenen Bedürfnisse weniger wert sind als die der anderen.
Dass es normal ist, sich selbst immer hintenanzustellen. Und genau das übernehmen Kinder später oft für ihr eigenes Leben.
Echte Selbstliebe beginnt deshalb nicht bei einem Wellness-Wochenende, einer Gesichtsmaske oder einem Schaumbad. Sie beginnt in dem Moment, in dem du dir selbst denselben Wert gibst wie allen anderen Menschen.
Das ist gesunder Egoismus.
Es ist keine Schwäche. Es ist Stärke.
Eine Stärke, die deine Kinder jeden Tag beobachten dürfen.
Warum Grenzen setzen auch Mobbingprävention ist
Vielleicht fragst du dich jetzt, was das alles mit Mobbing zu tun hat.
Sehr viel.
Kinder, die erleben, dass ihre Eltern ihre eigenen Grenzen ernst nehmen, lernen etwas unglaublich Wertvolles.
Sie lernen, dass ihre Gefühle wichtig sind.
Dass sie Nein sagen dürfen.
Dass sie nicht alles mit sich machen lassen müssen.
Dass sie ihren eigenen Bedürfnissen vertrauen dürfen.
Das bedeutet nicht, dass ein Kind dadurch niemals gemobbt wird. So einfach ist Mobbing leider nicht.
Mobbing ist eine Gruppendynamik und braucht oft deutlich mehr als nur ein selbstbewusstes Kind.
Aber Selbstbewusstsein, Selbstachtung und gesunde Grenzen sind wichtige Bausteine der Mobbingprävention.
Kinder, die ihren eigenen Wert kennen, treten anders auf.
Sie lernen früher, ihre Grenzen wahrzunehmen.
Und sie entwickeln die innere Überzeugung, dass sie es wert sind, respektvoll behandelt zu werden.
Genau diese Haltung möchten wir stärken.
Hör auf, deinem Kind jede Erfahrung abzunehmen
Ich beobachte noch etwas.
Aus Liebe möchten viele Eltern ihre Kinder vor jedem Schmerz bewahren.
Sie greifen sofort ein.
Sie lösen Konflikte.
Sie räumen Hindernisse aus dem Weg.
Sie möchten verhindern, dass ihr Kind enttäuscht wird.
Ich verstehe das. Wirklich.
Aber manchmal nehmen wir unseren Kindern genau die Erfahrungen weg, die sie stark machen würden.
Ein Kind entwickelt Selbstvertrauen nicht dadurch, dass immer alles klappt.
Selbstvertrauen entsteht, wenn ein Kind erlebt, dass es schwierig werden kann, dass es hinfallen kann, dass es aufgeben möchte und es schlussendlich trotzdem schafft.
Natürlich spreche ich hier nicht von Mobbing.
Wenn ein Kind gemobbt wird, braucht es Unterstützung. Dann darf es nicht alleine kämpfen.
Aber im ganz normalen Alltag dürfen Kinder ruhig erleben, dass nicht immer alles nach Plan läuft.
Dass man sich auch einmal langweilt.
Dass nicht jeder Wunsch sofort erfüllt wird.
Dass ein Konflikt nicht gleich eine Katastrophe ist.
Und dass sie selbst unglaublich viel schaffen können.
Auch das ist eine Form von Grenzen setzen.
Wir setzen die Grenze dort, wo wir aufhören, unseren Kindern jede Erfahrung abzunehmen.
Fang klein an
Du brauchst ja nicht gleich den höchsten Berg zu besteigen und deinem Chef ein Nein an den Kopf schleudern, wenn er dir Zusatzaufgaben geben will.
Es reicht für den Anfang, wenn du einer Mutter aus der Schule nicht gleich zusagst.
Wenn du eine Nachricht nicht sofort beantwortest.
Wenn du dich mal nicht meldest, wenn jemand einen Kuchen fürs Buffet im Verein braucht.
Wenn du nicht jedes Problem ganz automatisch zu deinem machst.
Oder wenn du dir einfach angewöhnst, vor jeder Zusage einen Moment innezuhalten und dich zu fragen:
Möchte ich das wirklich?
Oder handle ich gerade nur aus schlechtem Gewissen?
Grenzen setzen ist kein Schalter. Es ist ein Muskel. Und jeder Muskel wird stärker, wenn wir ihn regelmässig trainieren.
Du darfst dir selbst wichtig sein
Falls dir dieser Gedanke unangenehm ist, bist du damit nicht allein.
Vielen geht es so.
Wir Frauen sind soziale Wesen und wurden sehr oft so erzogen, dass wir zuerst an alle anderen denken.
Vielleicht steckt auch ein kleines Helfersyndrom in uns.
Vielleicht möchten wir einfach gebraucht werden.
Doch irgendwann dürfen wir erkennen, dass wir niemandem helfen, wenn wir selbst ausbrennen.
Und auch nicht den Menschen, die wir begleiten.
Du darfst für andere da sein. Aber du musst dich dabei nicht selbst verlieren.
Denn genau das wünschen wir uns später auch für unsere Kinder.
Vielleicht beginnt die wichtigste Veränderung gar nicht bei deinem Kind
Vielleicht beginnt sie bei dir.
Vielleicht beginnt sie in dem Moment, in dem du heute das erste Mal bewusst innehältst, bevor du automatisch Ja sagst.
Vielleicht beginnt sie mit einer kleinen Grenze. Mit einer Pause. Mit einem "Nein, tut mir leid, ich kann gerade nicht." Ohne Erklärung.
Oder einfach mit der Erkenntnis, dass du genauso wichtig bist wie jeder andere Mensch in deiner Familie.
Und weil es nicht ganz einfach ist, an dieser neuen Erkenntnis anzuknüpfen und den Ego-Muskel regelmässig zu trainieren, haben wir Uprising Moms entwickelt.
Damit wollen wir dir nicht beibringen, wie du eine «perfekte Mama» wirst, sondern weil wir überzeugt sind, dass starke Kinder starke Vorbilder brauchen.
In Uprising Moms begleiten wir Mütter dabei, wieder mehr Vertrauen in sich selbst zu entwickeln, alte Glaubenssätze zu hinterfragen und den Mama-Alltag mit mehr Klarheit, Gelassenheit und innerer Stärke zu leben.
Denn Kinder lernen Selbstliebe und Selbstfürsorge, indem sie ihrer Mama jeden Tag dabei zusehen.
Wenn du deinem Kind zeigen möchtest, wie gesunde Grenzen aussehen, dann fang heute bei dir an.




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