„Dein Antimobbing-Business ist für'n Arsch.“ – Ein Kommentar, der mich zum Nachdenken brachte
- 29. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 15 Stunden

Ich treffe eine Klassenkameradin im Supermarkt und sie sagt:
„Dein Antimobbing Business ist für'n Arsch. Es werden immer noch Kinder gemobbt.“
Ich kenne Klara seit der Schulzeit. Und sie war schon damals so. Sie hatte nie wirklich etwas Positives zu sagen. Immer ein Kommentar zu allem.
Immer ein kleiner Stich, verpackt als: „Das ist nur meine ehrliche Meinung.“
Du kennst solche Menschen.
Es hat mich also nicht überrascht, als sie mir bei einer zufälligen Begegnung ihre ungefragte Meinung an den Kopf geworfen hat.
Im ersten Moment hat mich dieser Satz getroffen.
Nicht, weil ich plötzlich an unserer Arbeit gezweifelt hätte. Sondern, weil Be Nice für mich eben nicht einfach ein Unternehmen ist. Es ist ein Herzensprojekt. Etwas, das in den letzten Jahren mein Leben geprägt hat.
Und genau deshalb treffen solche Aussagen zuerst den Menschen und erst danach die Unternehmerin.
Be Nice ist mein Baby
Ich habe da alles reingesteckt. Zeit. Energie. Herz. Geld.
Und dann steht da jemand und sagt einen Satz, der nicht mal komplett falsch ist.
Denn ja. Wenn wir ehrlich sind, gibt es Mobbing immer noch. Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht auf den Satz von Klara, sondern auf das, was dahinter steckt.
Ja. Mobbing gibt es immer noch.
Schulen sind immer noch überfordert und ignorieren das Problem.
Eltern warten immer noch viel zu lange ab, um sich Hilfe zu holen.
Jeden Tag brechen immer noch kleine Seelen in winzige Stücke.
Wir Erwachsenen reden von Respekt und leben Missgunst vor.
Das ist die Realität.
Eine Realität, die ich mir auch anders wünschen würde.
Aber sie wird nicht besser, wenn wir sie ignorieren. Und sie verschwindet auch nicht, wenn wir den Menschen, die etwas dagegen unternehmen, erklären, ihre Arbeit bringe nichts.
Wenn das der Massstab ist …
...dann ja: Dann ist unsere Arbeit für für'n Arsch.
Es wird immer Mobbing geben!
Als ich diesen Satz für das Karussell geschrieben habe, wusste ich, dass manche darüber stolpern würden.
„Wie kann jemand, der sich täglich gegen Mobbing einsetzt, so etwas sagen?“
Weil es die Wahrheit ist.
Ich glaube nicht an eine perfekte Welt.
Ich glaube an Kinder, die lernen können, sich aus einer Mobbingdynamik zu befreien.
Ich glaube an Eltern, die den Mut haben, Hilfe anzunehmen.
Ich glaube an Erwachsene, die Verantwortung übernehmen.
Und genau deshalb mache ich weiter.
Nicht, weil ich glaube, dass Mobbing irgendwann vollständig verschwindet, nein, weil jedes einzelne Kind zählt.
Aber weisst du, was Klara nicht sieht?
Robin, der heute nicht mehr mit Bauchweh in die Schule geht.

Mila, die mit Stolz ihre Hose trägt, auch wenn die Klassenkameradin findet, dass sie darin fett aussieht.
Dario, der wieder pfeifend nach Hause kommt nach der Schule, weil er nicht mehr gemobbt wird.
Klara kennt diese Kinder nicht. Sie kennt ihre Geschichten nicht. Sie weiss nicht, wie es aussieht, wenn ein Kind nach Wochen oder Monaten zum ersten Mal wieder unbeschwert lacht.
Sie erlebt nicht den Moment, wenn Eltern sagen, dass sie endlich ihr Kind zurück haben.
Genau sie sind der Grund, warum unsere Arbeit einen Unterschied macht.
Mehr als 1'500 Geschichten sprechen eine andere Sprache
Es wird immer Klaras geben, die dich klein machen wollen und dir einreden, dass deine Passion sinnlos ist.
Sie sitzen später im Büro neben dir.
Oder du triffst sie spontan im Supermarkt.
Oder eine Klara wird deine Schwiegermutter.
Kinder, die heute lernen, mit solchen Menschen umzugehen, profitieren davon ihr ganzes Leben.
Denn Mobbing ist nicht einfach ein Schulproblem. Menschen, die andere kleinreden, gibt es in jedem Alter.
Genau deshalb ist unsere Arbeit mit Antimobbing so wichtig
Diese Menschen verschwinden nicht einfach vom Erdboden und genau deshalb ist unsere Arbeit so wichtig.
Nein, wir haben nicht die Welt verändert, aber verdammt, wir haben Kinderleben verändert und viele davon gerettet.
Und es hat sich für JEDES EINZELNE davon gelohnt!!!
Das ist der Unterschied zwischen einer Statistik und einem Menschenleben.
Wer nur auf die Zahl schaut, sieht immer noch Mobbing.
Wer auf die Kinder schaut, sieht Hoffnung.
Und genau diese Hoffnung treibt uns jeden Tag an.
Also leck mich, Klara.
Wegen Menschen wie dir, hab ich einen Job, der schon Kindern zeigt, wie sie sich gegen fiese Aussagen abgrenzen können!
Vielleicht ist das sogar das grösste Geschenk, das Menschen wie Klara uns machen. Sie erinnern uns immer wieder daran, warum diese Arbeit nötig ist.
Wenn dieses Kind wieder an sich glaubt, dann hat sich jeder einzelne Schritt gelohnt.
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