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Nonverbales Mobbing: Die hinterhältigste Form von Mobbing wird oft übersehen

  • 4. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Wenn Eltern an Mobbing denken, haben sie häufig klare Bilder im Kopf:

Beleidigungen, Drohungen, Beschimpfungen oder körperliche Angriffe.


Doch eine der gefährlichsten Formen von Mobbing kommt oft ganz ohne Worte aus.


Genau deshalb wird sie so häufig übersehen.


Im Coaching erleben wir immer wieder Kinder, die spüren, dass etwas nicht stimmt. Sie merken, dass sie ausgeschlossen werden, dass andere Kinder sich von ihnen abwenden oder sie anders behandeln.


Doch wenn Eltern oder Lehrpersonen nachfragen, können sie oft nicht erklären, was genau passiert.


Der Grund dafür liegt häufig im sogenannten nonverbalen Mobbing.



Was ist nonverbales Mobbing?


Nonverbales Mobbing beschreibt Ausgrenzung, Abwertung oder soziale Angriffe, die nicht über Worte stattfinden, sondern über Handlungen, Gesten und Verhalten.


Dazu gehören beispielsweise:


  • Das bewusste Ausschliessen aus einer Gruppe

  • Das Wegdrehen des Rückens

  • Das demonstrative Wechseln des Sitzplatzes

  • Das Ignorieren eines Kindes, als wäre es nicht vorhanden

  • Abwertende oder verachtende Blicke

  • Das gezielte Beschädigen von Freundschaften

  • Das Verbreiten von Gerüchten


Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was Kinder erleben können.


Gerade weil diese Form von Mobbing oft lautlos geschieht, bleibt sie für Erwachsene häufig unsichtbar.



Mobbing hat eine klare Definition


Nicht jedes unangenehme Verhalten ist automatisch Mobbing.


Damit tatsächlich von Mobbing gesprochen werden kann, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Es braucht eine klare Dynamik, Wiederholungen über einen längeren Zeitraum und ein Machtungleichgewicht zwischen den Beteiligten.


Deshalb lohnt es sich immer, genau hinzuschauen und nicht vorschnell Schlüsse zu ziehen.



Warum nonverbales Mobbing besonders häufig Mädchen betrifft


In der Praxis zeigt sich diese Form von Mobbing besonders häufig bei Mädchen.


Dabei geschieht vieles sehr subtil und oft so geschickt, dass selbst Erwachsene Schwierigkeiten haben, die Situation zu erkennen.


Für die betroffenen Kinder ist das besonders belastend. Sie spüren zwar, dass etwas gewaltig schiefläuft, finden aber oft keine Worte dafür.


Sie können nicht erklären, warum sie sich ausgeschlossen fühlen. Sie merken nur, dass etwas nicht stimmt.


Unsere Antimobbingcoaches beobachten, dass Eltern von Mädchen heute deutlich früher Unterstützung suchen als noch vor einigen Jahren. Durch soziale Medien und die zunehmende Aufklärung erkennen viele Familien die Warnsignale schneller und holen sich früher Hilfe.



Woran Eltern nonverbales Mobbing erkennen können


Da nonverbales Mobbing oft unsichtbar bleibt, lohnt es sich, auf Veränderungen im Verhalten des Kindes zu achten.


Viele Kinder ziehen sich zurück, wirken traurig oder gereizt. Manche möchten plötzlich nicht mehr in die Schule gehen. Andere verlieren ihr Selbstvertrauen oder zweifeln zunehmend an sich selbst.


Das Bauchgefühl von Eltern spielt dabei eine wichtige Rolle.


Wenn ein Kind immer wieder signalisiert, dass etwas nicht stimmt, sollte das ernst genommen werden – auch dann, wenn noch nicht alle Puzzleteile sichtbar sind.



Was Eltern tun können, wenn sie nonverbales Mobbing vermuten


1. Situationen sichtbar machen


Gerade jüngere Kinder können häufig besser zeigen als erklären, was sie erleben.


Rollenspiele mit Playmobil-Figuren, Barbies oder anderen Spielfiguren können dabei helfen, Situationen nachzustellen. Das Kind muss dann nicht die richtigen Worte finden, sondern kann zeigen, was passiert.


Bei älteren Kindern kann auch Zeichnen eine hilfreiche Möglichkeit sein, Erlebnisse sichtbar zu machen.

 

2. Benenne die Gefühle deines Kindes und deine eigenen im Alltag


Ein weiterer wichtiger Schritt besteht darin, Gefühle im Alltag bewusst zu benennen.


Im Coaching zeigt sich immer wieder, dass vielen Kindern die passenden Worte für ihre Gefühle fehlen. Statt Traurigkeit, Angst oder Enttäuschung auszudrücken, zeigt sich alles in Wut. Die Botschaft dahinter lautet häufig: Irgendetwas stimmt nicht.


Wenn Eltern Gefühle regelmässig benennen und vorleben, entwickelt das Kind mit der Zeit die Fähigkeit, eigene Empfindungen besser wahrzunehmen und mitzuteilen.


Denn je genauer ein Kind seine Gefühle benennen kann, desto leichter fällt es ihm, über belastende Situationen zu sprechen.

 

3. Mobbing passiert nie da wo Lehrpersonen sind


Mobbinghandlungen finden dann statt, wenn Lehrpersonen und andere Erwachsene nicht hinschauen.


Deshalb bedeutet eine Rückmeldung der Schule wie „Uns ist nichts aufgefallen“ nicht automatisch, dass nichts passiert. Es kann stimmen oder auch nicht. Aber nimm es nie zum Anlass, die Gefühle deines Kindes anzuzweifeln.  


Hör auf dein Bauchgefühl! Du kennst dein Kind am besten.

 

4. Motiviere dein Kind auf andere Kinder zuzugehen


Kinder, die von Mobbing betroffen sind, erleben oft soziale Isolation.


Deshalb kann es hilfreich sein, aktiv neue Kontakte aufzubauen. Das können Kinder aus Parallelklassen, anderen Stufen oder Freizeitaktivitäten sein.


Manchmal benötigen Kinder dabei Unterstützung. Gemeinsam können Fragen vorbereitet oder Situationen besprochen werden.


Entscheidend ist, dass das Kind erlebt, dass es Menschen gibt, die gerne Zeit mit ihm verbringen.

 

5. Wer bin ich – unabhängig von der Meinung anderer?


Eine der stärksten Übungen für Kinder ist die Beschäftigung mit der eigenen Identität.


Dazu wird ein grosses Blatt Papier genommen. In die Mitte kommt der Name des Kindes.


Anschliessend wird gemeinsam gesammelt:

  • Wer bin ich?

  • Was macht mich aus?

  • Welche Stärken habe ich?

  • Was schätzen andere an mir?


Wichtig dabei ist, dass zu jeder Eigenschaft konkrete Beispiele gefunden werden.


Keine leeren Aussagen wie „Du bist toll“, sondern echte Erlebnisse, die zeigen, warum das stimmt.


Denn unser Gehirn glaubt Erfahrungen deutlich mehr als reine Motivation.

 


Kinder brauchen Beweise für ihren Wert


Viele Eltern möchten ihr Kind stärken, indem sie ihm sagen, wie grossartig es ist. Das ist gut gemeint, reicht aber oft nicht aus.


Kinder brauchen Erlebnisse und Beispiele, die ihren Wert greifbar machen.


Ein hilfreicher Ansatz ist es deshalb, jeden Tag eine konkrete Situation festzuhalten, in der das Kind etwas Positives erlebt oder gezeigt hat.


Zum Beispiel:

„Heute hast du deinem Freund geholfen, als er Hilfe bei den Hausaufgaben brauchte.“

Solche Beispiele schaffen etwas, das viel stärker wirkt als Lob allein: echte Selbstwirksamkeit.



Nonverbales Mobbing ernst nehmen, bevor es eskaliert


Nonverbales Mobbing ist leise. Genau deshalb wird es oft zu spät erkannt.


Doch die Auswirkungen auf Kinder können genauso gravierend sein wie bei offenem Mobbing.


Wenn dein Kind Veränderungen zeigt, sich zurückzieht oder immer wieder signalisiert, dass etwas nicht stimmt, lohnt es sich hinzuschauen. Je früher Mobbing erkannt wird, desto leichter lässt sich die Dynamik durchbrechen.



Unterstützung bei Mobbing und Ausgrenzung


Wenn du das Gefühl hast, dass dein Kind von Mobbing betroffen sein könnte oder du dir unsicher bist, wie du die Situation einschätzen sollst, kann ein professioneller Blick von aussen enorm entlastend sein.


In der Leuchtturmberatung erhältst du eine erste Einschätzung der Situation und konkrete Handlungsschritte für die nächsten Schritte.



Ist dein Kind bereits von Mobbing betroffen, unterstützt das Antimobbingcoaching dabei, das Selbstvertrauen wieder aufzubauen und die Mobbingdynamik nachhaltig zu durchbrechen.


 

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